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Star Trek: Discovery – Besprechung Episode 03 (Context is for Kings)

von Gastautor Sebastian Blasek

Spoilerwarnung.
Dieser Eintrag enthält detaillierte Informationen zu dritten Folge von Star Trek: Discovery. Man sollte nur weiterlesen, wenn man die ersten drei Episoden bereits gesehen hat.

Einleitung.

Nach einer Woche Wartens kommt Discovery zurück, bzw. startet. Der dritten Folge obliegt es dabei – nach den bereits erfolgreich durchgestarteten Pilotfolgen – die eigentliche Rahmenhandlung zu etablieren, der der geneigte Zuschauer den nächsten zwölf Episoden folgen soll. Oft genug folgten auf starke Star-Trek-Pilotfilme mäßige Folge-Episoden, doch bei den anderen Serien der Franchise bestand nie der gleiche Druck, dem Discovery im Moment ausgesetzt ist. Ob es der siebenten Serie gelingt, die Erfolgsspur ihrer Vorgänger einzuschlagen, hängt maßgeblich davon ab, wie die Qualität von „Context Is for Kings“ am Ende ausfällt.

Story.
Sechs Monate nachdem Michael Burnham die Föderation durch ihr Verhalten in einen Krieg mit den Klingonen gestürzt hat, findet sie sich auf einem Gefangenentransport wieder. Doch anstatt ihr restliches Gefangenenleben in einer Dilithium-Mine zu schuften, gelangt sie einen mysteriösen Vorfall später auf die USS Discovery, wo Captain Gabriel Lorca sie gegen ihren Willen zwingt, in einem der schiffseigenen Techniklaboratorien auszuhelfen. Burnham, die von den meisten Crewmitgliedern des hypermodernen Sternenflottenschiffes gemieden wird, erkennt schnell, dass in ihrem neuen Arbeitsbereich einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Spätestens als die USS Glenn, ein Schwesterschiff der Discovery, aufgrund geheimnisvoller Experimente ihre gesamte Crew verliert und in klingonisches Hoheitsgebiet driftet und sie für eine Außenmission zwangsrekrutiert wird, dämmert ihr, dass einige hochrangige Köpfe der Sternenflotte in ihrem Bestreben die Klingonen zu besiegen bereit sind, neue Wege zu gehen, alternative Lösungen zu finden und sogar großzügig über ein Kapitalverbrechen wie Meuterei hinwegzusehen…

Lobenswerte Aspekte.

Ausblick auf spannende Story.

Es ist wohl einer der clevereren Züge der verantwortlichen Ausstrahlungsleiter bei CBS und Netflix, dem Publikum die neue Star-Trek-Serie nur häppchenweise auszuspucken. Auf diese Weise steigert sie nämlich die knisternde Spannung beinahe greifbar, bis man die neue Episode schauen kann, nur um sich an deren Ende zu ärgern, dass man nun wiederum eine ganze Woche warten muss um die nächste Folge sehen zu können. Man ist als hilflos in einer Spirale des Unbekannten gefangen, mit der man nicht zuletzt deshalb so schlecht umgehen kann, weil es seit über einem Jahrzehnt keine neue Star-Trek-Serie gegeben hat (und erst recht keine, deren Teile derart aufeinander aufbauen). Fraglos hätte sich der Großteil der Fans die Serie bereits ohne Unterbrechung am Stück angesehen, wenn dies möglich gewesen wäre, zumal die Konzeption so sehr die Neugier der Fans herauskitzelt, dass man sich die bislang veröffentlichten Folgen wieder und wieder ansieht, um auf den weiteren Verlauf zu spekulieren, kleinere Anspielungen besser mitzubekommen oder Details im Hintergrund zu erkennen.

Nachdem beide Pilotfolgen (als Vorgeschichte) vergleichsweise in sich abgeschlossen waren, folgte mit „Context Is for Kings“ (keine Ahnung, warum es noch keinen deutschen Titel gibt) nun der erste Punkt, an dem inhaltliche Einblicke in den zukünftigen Kurs der gesamten Serie gegeben werden. Erstmals erhält man eine Idee wo es hingehen soll: Irgendwo zwischen verlustreichem Krieg und neuer geheimnisvoller Erfindungen, dem Widerspruch zwischen militärischer und wissenschaftlicher Nutzung von Technologie, Individualität und Kadavergehorsam, Idealen und Wirklichkeit sowie den sozialen Folgen von Schuld und Sühne ergibt sich ein gigantisches Puzzle, dessen Teile man sich langsam zurechtlegt, ohne dass sie bereits ein schlüssiges Bild ergeben.
Und doch kann man einiges sagen. Zum Beispiel, macht die Blume im Vorspann plötzlich Sinn. Man weiß endlich, welches Schiff im Fokus stehen wird. Und genauso gut weiß man, dass die neue Technologie ein Irrweg sein wird, der sich nicht durchsetzen wird. Es ist nicht die Spannung auf das größere Geschehen, das ohnehin durch den starren Star-Trek-Kanon vorgegeben ist. Nein, bei Discovery liegt die Spannung im Gang, oder anders ausgedrückt – der Weg ist das Ziel. Das funktioniert am Ende erstaunlich gut, auch wenn es bedeutet, dass man sich eine weitere Woche lang nervös an den Fingernägeln herumknabbern muss.

Starker Cast.

Als alter TNG-Fan hatte mich im Vorfeld ganz besonders gefreut, dass endlich wieder ein britischer Schauspieler die Brücke eines Sternenflottenschiffes kommandieren wird. Ich wurde nicht enttäuscht, denn Jason Isaacs alias Captain Gabriel Lorcas mimt einen fesselnden Captain. Nicht zuletzt, weil sich sein (nicht nur wegen der Augenschwäche) düsterer Charakter von jedem bislang dagewesenen Raumschiffkommandanten – inklusive Philippa Georgiou aus dem Piloten – deutlich abhebt. Seine Mischung aus kumpelhaftem und autoritärem Führungsstil ist dabei nicht durchweg sympathisch, aber schon jetzt trägt er trägt einen Großteil der aufkommenden Spannung, kommenden Konflikte und finsteren Geheimnisse auf seinen Schultern.
Als kontrastreicher Sprung bietet sich an dieser Stelle an, die Figur Sylvia Tillys zu erwähnen. Mary Wisemans Darstellung einer ehrgeizigen, aber schrulligen (fast schon autistischen) Kadettin im letzten Ausbildungsjahr steht im Widerspruch zu jeder anderen Figur an Bord und ausgerechnet sie an Burnhams Seite zu platzieren, ist schlichtweg ein genialer erzählerischer Schachzug mit einer Menge Potential.

Jenes Potential lassen auch Anthony Rapp als Paul Stamets und Rekha Sharma als Ellen Landry erkennen, auch wenn ihre Leistungen bislang eher darin lag, die ihnen zugeschriebene Rolle auszufüllen. Immerhin gelang es Rapp zusammen mit Isaacs, eine frostige Atmosphäre zwischen ihren Charakteren zu etablieren.

Mein persönlicher Favorit bleibt aber noch immer Doug Jones als Saru. Unter der massiven Silikonmaske spielt er einen eindringlichen Charakter, der zwischen seinen Loyalitäten, Ansichten und Instinkten zerrissen wird. Ihm ist es auf jeden Fall zu gönnen, mehr Screentime zu erhalten als in dieser dritten Folge.

Moralität.

Wie sagte Picard zum meuternden Data so schön in „Kampf um das Klingonische Reich, Teil II“?

„Obwohl jedoch: Die Behauptung, ‚ich habe nur Befehlen gehorcht‘ viel zu oft zu Rechtfertigung vieler Tragödien in unserer Geschichte diente. Die Sternenflotte braucht keine Offiziere die blind Befehle befolgen, ohne die Situation zu analysieren. “

In dieser Folge gibt sein Kollege aus einer vorangegangen Ära hingegen zu Protokoll:

„Ich habe Sie ausgewählt, aber nicht aus den Gründen die sie vermuten. Ihre Annahme, dass die Klingonen uns beim Doppelstern in einen Hinterhalt locken wollten war vorausschauend. Sie haben das Richtige getan, egal ob es gegen das Gesetz war und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Nur wer so denkt, kann Kriege gewinnen, und Offiziere, die so denken, brauche ich neben mir. Lakaien befolgen Gesetze, Könige sehen Zusammenhänge.“

Stellt man diese beiden Äußerungen aneinander, erkennt man schnell, dass es sich nicht nur um einen großartigen Folgentitel, sondern auch um ein beliebtes Thema bei Star Trek handelt, denn es umfasste genauso Siskos Rettungsoperation beim romulanisch-cardassianischen Angriff auf die Heimatwelt der Gründer, Picards Engagement in der Schlacht gegen die Borg im Sektor 001 sowie Captain Kirks Rettungsoperation für Spock zum Genesis-Planeten. Beim Aufruf wider dem blinden Gehorsam handelt sich schlichtweg um ein Grundmotiv der Franchise, das hier in würdiger Form aufgegriffen und sogar erweitert wurde.
Aber Discovery scheint sich nicht mit nur einem philosophischen Grundgedanken zufrieden zu geben:
Ähnlich präsent war auch stets die Frage, was ein so schonungsloser Krieg aus einer utopischen Gesellschaft wie der Föderation macht. Auf der einen Seite reißt sie glückliche und unglückliche Menschen aus ihrer Komfort-Zone (wie Stamets, Straal oder den weiblichen Sträfling) , und zum anderen verleitet sie andere, plötzlich die etablierten moralischen Grenzen in Frage zu stellen (wie Lorca).

Als ob das noch nicht schon Kopfschmerzstoff für eine ganze Staffel wäre (und sicherlich auch bleiben wird), kommen noch andere Aspekte hinzu. Es ist ein Loblied auf den Individualismus, egal ob man ihn wie Tilly auslebt oder wie Burnham darunter leidet. Am Ende, so verrät uns Discovery, greift man immer selbst in die mäßig metaphorische Schüssel mit Glückskeksen.

Konflikt.

Während ich nach den beiden Pilotfolgen noch mutmaßte, dass Konflikte sich nur schwer fortsetzen lassen würden, wurde ich in „Context Is for Kings“ eines Besseren belehrt. Ich wurde zum Zeugen einer genialen Weiterführung mit spürbaren Spannungen unter verschiedenen Parteien, die zum Greifen nahe sind wie noch nie bei Star Trek. Es klingt verrückt, aber nach meiner anfänglichen Skepsis bin ich eher darauf gespannt, wie sich die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren entwickeln, als die Auflösung der (wissenschaftlich doch etwas weit hergeholten) Warpsporentechnologie zu erfahren.
Reizvoll ist es vor allem, weil die Konflikte sich auf mehrere Einzelpersonen, Fraktionen und Interessengruppen verteilen. Zwar mag der Großteil der Discovery-Mannschaft Burnham nicht, aber sie erfährt dennoch Unterstützung von Tilly und Lorca. So ist Lorca zwar der Captain, aber hat in Stamets und z.T. auch in Burnham eine Opposition direkt in seinen eigenen Reihen. Ja selbst die Klingonen kann man in den munteren Reigen dieser Konfliktträger zählen, da auch sie ihre Gründe für ihr Handeln haben.
Großartig ist dabei, dass niemand im Reigen der Figuren eine moralische Instanz, frei von Fehlern oder zumindest fragwürdigen Motiven ist. An Bord der Discovery gibt es einen Haufen von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen, Ansichten und Erfahrungen, die ihr Handeln beeinflussen.

Von allen Inkarnationen Star Treks ist Discovery – vor allem wegen seiner Konflikte – die menschlichste.

Umgang mit dem Kanon.

„Meine Mutter hat das Werk von Lewis Carroll besonders geschätzt.“

Dieser kleine Satz, der aus der Star-Trek-Trickfilmserie (dem offiziellen Stiefkind aller Star-Trek-Serien) stammt, beweist, wie sehr sich die Autoren bemüht haben, Discovery in den offiziellen Kanon einzubinden.

Spock impliziert nämlich in „Phantasie und Wirklichkeit“, dass er es in seiner Kindheit von seiner Mutter vorgelesen bekam – eine Vorlage, die Discovery glänzend zu verwerten verstand. Die Bezüge auf „Alice im Wunderland“ waren dabei sogar so stark hervorgehoben, dass sie bei der recht beiläufigen Ersterwähnung Spock eine grandiose Brücke zwischen den beiden Welten schlug.

Es gab aber noch weitere Anknüpfungspunkte, vor allem im Design. So schloss sich der Kreis mit dem Aufbau der Stationen im Techniklabor, der Verwendung von Datenkarten sowie der Sträflingsuniform Burnhams.

Zudem wurde jeder Star-Trek-Fan belohnt, der mit gespitzen Ohren vor dem Fernseher saß. Die Erwähnung von Tellun, der Suus Mahna und dem Zee-Magnees-Preis komplettierten diesen Eindruck weiter, der seinen Höhepunkt in der Warpsporenreise Burnhams fand, in der mindestens drei der gezeigten Orte auf TOS-Mattepaintings von Amerind, der Sternenbasis 11 und die Bergbausiedlung auf Janus VI anspielten.

Andererseits sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass Discovery das Rad keineswegs neu erfindet. Burnhams Rehabilitation wurde bereits anhand von Personen wie Tom Paris oder Ro Laren durchexerziert. Die Szenen auf der USS Glenn erinnerten ähnlich stark an Genesis, ein Redshirt stirbt einen sinnfreien Heldentod und das Galaxie-umspannende Sporennetzwerk lässt unweigerlich an die Transwarpkanäle der Borg denken.

Immerhin kann man den Schreibern bei Discovery zugutehalten, dass sie jedem dieser Punkte eine eigene Charakternote verleihen konnten.

Ton und Atmosphäre.

Es ist wohl kein Wunder, dass die NCC-Nummer der USS Discovery ausgerechnet 1031 lautet. Laut Memory Alpha bezieht sie sich auf Bryan Fullers Vorliebe für Halloween und genau diesen Geist konnte man in dieser Episode mehr als deutlich spüren. Irgendwie erinnerte das gesamte Setting an Bord der USS Glenn eher an eine Folge Doctor Who als an klassisches Star Trek, wobei in diesem Fall der bereits in den ersten beiden Episoden omnipräsente Grundton passender wirkte.

Am Ende dient es vor allem einem Zweck – der Abgrenzung zu älteren Star-Trek-Serien, die mit ihrer Ausleuchtung auch immer Hoffnung und ein beinahe steriles Bild der Zukunft transportierten. Diesen Vorwurf kann man Discovery bis hierher jedenfalls nicht machen…

Kritikwürdige Aspekte.

Rostlaubenromantik.

Nachdem ich bereits in der ersten Rezension kein gutes Haar an der Schiffsdesign-Abteilung von Discovery gelassen habe, muss ich dieses Mal zwangsweise noch deutlicher werden:

Die USS Discovery ist das abgrundtief hässlichste Schiff der gesamten Star-Trek-Geschichte.

Ich weiß nicht, ob die verantwortlichen Designer auf Koks waren.
Oder vielleicht die Produzenten, die das Design abgenommen haben?
Oder beide?

Fakt ist jedenfalls, dass die Begeisterung des Publikums für Star Trek eng mit der Ästhetik zusammenhängt, in der die Schiffe daherkommen. Welche zeitlose Eleganz die Original-Enterprise, ein romulanischer Warbird oder die Station Deep Space 9 haben, zeigt nicht zuletzt der riesige Erfolg, den Eaglemoss mit seiner Raumschiff-Sammlung auch hierzulande erzielt.

Die Discovery ist jedenfalls ein Verbrechen an allen Menschen, die noch über genug Sehkraft verfügen, sie zu erkennen. Wenn wirklich Fuller dafür verantwortlich ist, wird er sich bis an sein Lebensende ebenso für das Design dieses Schiffes entschuldigen müssen wie Abrams für die Verwendung der auch hier noch immer viel zu präsenten Lensflares.

Die abstoßende Grässlichkeit des wichtigsten Schiffes der Serie ist vor allem deshalb so ärgerlich, weil man der Serie deutlich ansieht, dass viel Geld und Gedanken in die tollen Sets, die genialen Ausrüstungsgegenstände und Uniformen gesteckt wurden. Innerhalb der Schiffe gelingt sogar der Mix aus Enterprise, Abramsverse und TOS ungleich besser, was in den Jefferies-Röhren der USS Glenn seinen Höhepunkt findet. Dieser krasse Gegensatz ist schwer verdaulich, denn Discovery lässt sich so mit einer frischen Banane in einer überbraunen Schale vergleichen:
Innen hui, außen pfui.

Das ist doof, denn das Auge isst ja bekanntlich mit…

Ein Stückchen Abramstrek.

In den Augen längjähriger Star-Trek-Fans ist es ärgerlich, wenn die ein oder andere Design-Anleihe aus Abramstrek der Star-Trek-Chronologie widerspricht. Aber man kann damit leben. Schließlich sind Widersprüche zum eigenen Kanon spätestens seit „Der Zorn des Khan“ (und dem nie stattgefundenen Treffen zwischen Khan und Chekov) popkultureller Bestandteil Star Treks.
Wenn man aber seitens der Discovery-Urheber nicht bereit ist, aus den Fehler J.J. Abrams zu lernen, so ist das schon eine ganz andere Hausnummer.

Solche Unzulänglichkeiten können dafür sorgen, dass man die Fan-Basis weiter spaltet, Zuschauer verprellt und am Ende den Fortbestand der eigenen Serie riskiert.

In „Context Is for Kings“ gibt es das Potential für genauso eine Anleihe.

Während Abrams sich mit dem Augment-Superblut (das im Prinzip die Medizin der Zukunft völlig auf den Kopf stellt), vor allem aber mit dem Transwarp-Beamen (das im Prinzip die Verwendung von Raumschiffen obsolet macht) auf dünnes Eis begeben hatte, schickt sich Discovery an, ein ähnlich fragwürdiges Stück Supertechnologie zu etablieren: Ein Transporter für das myceliale Netzwerk.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Idee hanebüchen ist und eins zu eins aus einem Buch von Erich von Däniken stammen könnte, wundert es doch arg, dass in allen drei Serien und vier Filmen die nach Discovery spielen nie mehr davon berichtet wird, keiner sich mehr an dieses Konzept erinnert und sämtlich Bezüge darauf fehlen. Es wirkt ein wenig so, als würde jemand in einer Wildwest-Serie mit den Indianern skypen – die Technologie hat einfach nix in dieser Zeit zu suchen.
Aber es ist natürlich nicht zu spät.

Das völlige Fehlen von Information in der folgenden Zukunft lässt schließlich nur den Schluss zu, dass das Experiment so desaströs scheiterte, dass in der Folge niemand mehr einen Gedanken darauf verschwendete. So reiht sich auch die Frage, ob und wie diese experimentelle Technologie scheitert in die Spannungskurve ein, die Discovery als moderne Serie erzeugt. Allerdings schwingt diesbezüglich mehr banges Hoffen der Fans als inszenierte Dramatik der Autoren mit.

Letztendlich wird man in diesem Punkt der prominent bestückten Produzenten-Truppe wohl einfach vertrauen müssen…

Kanonbrüche und Logiklöcher.

Wie bereits beim letzten Mal kann ich der verwendeten Holokomunikation nichts abgewinnen. Sie wirkt wie schon in den Pilotfolgen noch immer völlig deplatziert und unglaubwürdig.

Der Rest der vermeintlichen Ungereimtheiten hat – wie die Verwendung des mycelialen Netzwerkes auch – noch immer die Möglichkeit, ausgebügelt zu werden.

Dürfen überhaupt Tribbles vor der Originalserie auftauchen?
Im Prinzip schon. Bereits Phlox und Hoshi Sato haben die possierlichen Tierchen gekannt und ein Mann, der wie Lorca scheinbar über einen größeren xenobiologischen Bildungshintergrund verfügt, ist durchaus zuzutrauen, dass er ein Interesse an einer solchen Spezies hegt.

Warum gibt es vor Data bereits einen Androiden ab Bord?
Noch bin ich mir auch bei (dem weiblichen) Commander Airiam nicht wirklich sicher, ob sie als Androide gezählt werden kann, auch wenn einige Hintergrundinformationen diesen Schluss nahelegen. Andererseits könnte man die Aussage, Data sei der einzige seiner Art, der je bei Star Trek diente, auch Soong-Androiden beziehen – auch wenn das sehr, sehr bemüht wäre.

Können denn Sternenflottenangehörige dieser Zeit wissen, wie Romulus aussieht?
Nein, denn die isolationistischen Romulaner halten zu dieser Zeit noch immer strikte Funkstille. Allerdings listet Lorca in diesem Zusammenhang wahllos einige Planeten auf, von denen ohnehin keiner zu sehen ist. Wahrscheinlich sind seine Ausführungen eher exemplarischer Natur um zu unterstreichen, wozu diese neue Wunder-Technologie in der Lage ist.

Liegt der Planet Ilari nicht im Delta-Quadranten?
Wenn schon allein das Wort ‚Darmok‘ in einem einzigen Sektor siebenundvierzig unterschiedliche Bedeutungen hat, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass auch ein Planet mit dem Namen Ilari mehr als einmal in der Milchstraße vorkommt. Die Verwendung des Namens halte ich persönlich eher für einen unglücklichen Zufall, als eine absichtliche Referenz.

Ärgerlicher als solche Fragen sind hingegen die unnötigen Logiklöcher, die diese Serie begleiten.
So erschließt sich nicht wirklich, warum ausgerechnet die Sicherheitschefin verurteilte Kriminelle mit der Besatzung ihres Schiffes essen lässt.

Mal ernsthaft, es gibt genug Star-Trek-Episoden in denen man sehen kann, dass Gefangene in Arrestzellen ihre Nahrung erhalten. Warum auf einem Schiff wie der Discovery mit einer so hohen Sicherheitsstufe allen Ernstes mindestens einen verurteilten Mörder in die Nähe der Crew lässt, erscheint dann doch etwas arg konstruiert.

Ähnlich fragwürdig erscheint, warum das Weltraummonster von der USS Glenn sich dort durch massive Metalltüren kämpft, aber nach seinem Transport auf die Discovery damit begnügt, das Kraftfeld anzugreifen.

Am lächerlichsten war allerdings der Atem-Abdruck, den man für den Zugang zur Sporenzuchtstation hinterlassen musste.
Schon anhand der Art und Weise wie Burnham das Gerät überwindet kann man die weiteren Probleme erkennen:
Funktioniert er auch noch, wenn man mit einem anderen Crewmitglied vorher geküsst hat?
Oder besonders unangenehmen Mundgeruch von der Plomeek-Suppe aus der Kantine hat?
Oder ein Sternenflotten-Mentos gegessen hat?

Natürlich hat man diese Technologie zugunsten der Story eingefügt. Aber wenn man, statt einer bei Star Trek etablierten Technik wie z.B. dem Retina- oder Fingerabdruck-Scan einen so schwachsinnigen Unsinn in den offiziellen Kanon einführt, muss man sich über den Spott des Publikums nicht wundern.

Fazit.

Auch wenn die beiden ersten Folgen als Pilotfilm gelten, obliegt „Context Is for Kings“ die Ehre, weitere zentrale Charaktere einzuführen, die von Spannung getragene Marschrichtung näher zu bestimmen und unter Beweis zu stellen, dass sämtliche Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren. Grandios ist besonders der beinahe zärtlich anmutende Umgang mit dem Kanon, der hier nicht als Hindernis, sondern Unterstützung verstanden wird.

Allerdings legen sich auch Schatten auf die Serie. Mal abgesehen davon, dass die USS Discovery ein Schiff von unbeschreibbarer Hässlichkeit ist, hat sie auch noch eine Technologie im Kofferraum, die das Potential hat, der inneren Logik Star Treks einen verheerenden Schlag zu versetzen.

Hoffen wir, dass es nie dazu kommen wird.

Bewertung.

Schluss.

Tatsächlich gelingt es der dritten Episode, den Fluch mangelnder Qualität abzuschütteln. Hinzu kommt, dass die Statistiken der jungen Serie hilfreich unter die Arme greifen: Die Zuschauerraten in den USA und Kanada gehen durch die Decke und auch illegale Download- und Streaming-Portale verzeichnen eine erhöhte Nachfrage.

Dabei muss ich – auch wenn ich ungern Werbung mache – an dieser Stelle Netflix ausdrücklich loben:
Es ist vergleichsweise günstig zu erwerben, bietet auch alle anderen Star-Trek-Serien an und kann darüber hinaus auch mit einigen zusätzlichen Schmankerl wie „For the Love of Spock“, „Chaos on the Bridge“ oder „Die Wahrheit liegt in den Sternen“ glänzen.

Gerade wer als Fan für den Fortbestand Star Treks eintreten will, sollte einmal ernsthaft darüber nachdenken, die 7,99€ im Monat zu investieren.

Denkwürdige Zitate.

„Ich glaube Ihnen, dass Sie Reue fühlen. Aber in meinen Augen sind Sie gefährlich. Captain Lorca ist ein Mensch der sich nicht vor Dingen fürchtet, vor denen sich normale Menschen fürchten. Ich fürchte mich. Und Sie sollte man fürchten, Michael Burnham.“
Saru

„Ich weiß, wer Sie sind Michael Burnham. Ich weiß genau, wer Sie sind. Ich weiß, dass Sie gern Recht behalten. Und ich wage anzunehmen, dass Sie nichts mehr verabscheuen, als falsch zu liegen. Deshalb werde ich Sie vor einer falschen Entscheidung bewahren.“
Captain Lorca

„Als ich noch klein war, nach dem Tod meiner Eltern hat meine Pflegemutter auf Vulkan es [Alice im Wunderland] mir und ihrem Sohn vorgelesen. Sie und ich waren die einzigen Menschen im Haus. Und dabei habe ich gelernt, dass die echte Welt nicht immer der Logik folgt. Denn manchmal ist unten oben und manchmal ist oben unten. Und wenn man sich verloren fühlt, wird man gefunden.“
Michael Burnham

Besprechung Episode 01 & 02
Besprechung Episode 03
Besprechung Episode 04
Besprechung Episode 05

Sebastian Blasek (auch als Turon47 bekannt) ist in selbst seinen späten Dreißigern noch immer ein großer Star-Trek-Fan, nachdem er 1988 das erste Mal “Raumschiff Enterprise” im Westfernsehen sehen durfte. Aufgewachsen in einem Staat den es nicht mehr gibt, wohnt er heute in Potsdam, wo er Deutsch und Geschichte studiert hat. Der anglophile Fußballfan schreibt in seiner spärlichen Freizeit Artikel für die Star-Trek-Tafelrunde “Hermann Darnell” und schläft am Wochenende gern aus.

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