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Dick ist doof (Teil 7)

Fortsetzung von «Dick ist doof» (Teil 6)

Nun ist es ein Jahr her, respektive 13 Monate, seit meinem Selbstversuch, während eines Monats nichts zu essen und mich lediglich von Gemüse- und Fruchtsäften zu ernähren – und 8 Monate, seitdem ich zum letzten Mal von meinen Erfahrungen erzählt habe. Der Auslöser, weshalb ich dies heute wieder einmal tun möchte, war die Begegnung mit einer jungen Mutter und ihrer etwa 3-jährigen Tochter heute Morgen im Treppenhaus. Doch zuerst zu den vergangenen 8 Monaten, und wie es mir während dieser Zeit ergangen ist.

Dolce far niente
Wer meine Geschichte von Beginn weg verfolgt hat, wird sich wohl am meisten dafür interessieren, wie es um mein Gewicht steht. Für Schnellleser deshalb vorweg: Ich habe es mehr oder weniger halten können. Das muss ich nun allerdings etwas ausführen und gleichzeitig eingestehen, dass ich im neuen Jahr noch nie auf der Waage stand. Dies einzig und alleine aus dem Grund, weil ich weiss, dass ich seit Dezember wieder etwas zugelegt habe. Das merkt man auch ohne schriftliche Bestätigung, wenn die (unterdessen nicht mehr ganz neue) Hose wieder etwas zu zwicken beginnt. Aber ich passe immer noch gut rein, deshalb besteht kein Grund zur Panik. Panik ist allerdings ohnehin ein schlechter Ratgeber, wenn es um seinen Gewichtsverlauf geht. Zu meinen besten Zeiten während des vergangenen Jahres war ich bei einem Minus von 19.6kg (ja, da bin ich sehr präzise!). Was mich aber mehr beeindruckt hat, ans Abnehmen hatte ich mich ja bereits gewöhnt, waren die Sommerferien. Zwei Wochen Süden, zwei Wochen dolce far niente, zwei Wochen üppige Küche mit Vorspeisen und Nachtisch, zwei Wochen mit anschliessenden vier Kilos plus. Wenn man bedenkt, wie lange es dauert, vier Kilogramm abzunehmen, ist das ein ganz schön erschreckender Moment. Und wenn man daran denkt, wie man zuvor auch ohne Ferien-Ausrede völlig unbedarft gelebt und vollkommen unkritisch alles mögliche gegessen hat, gibt das ganz schön zu denken. Die Kilos purzelten dann hinterher in rund doppelt so langer Zeit wieder munter runter – vernünftiger Ernährung sei Dank. Erkenntnis: Ich werde mich nie mehr wie damals vor der Saftkur ernähren können. Weil zu diesem Damals aber viele Fertiggerichte gehörten, ist das gar nicht mal so ein grosses Unglück. Sowas schmeckt mir nämlich unterdessen auch gar nicht mehr. TK-Pizzas vor meiner Saftkur: 1-2x pro Woche. TK-Pizzas (processed Food im allgemeinen) seither: Zero.

Der Kindergartenklopps
Unbedarft ist nun auch das Stichwort für mein erwähntes Erlebnis im Treppenhaus. Heute Morgen kommt doch tatsächlich diese junge Mutter mit ihrer 3-jährigen Tochter aus ihrer Wohnung – das Mädchen mit einem Magnum Eis in der Hand. Ein Eis, beinahe so gross wie ein kleiner Mädchenkopf! Das ist so falsch, dass es falscher praktisch gar nicht sein könnte! Dass es im Februar bei drei Grad Aussentemperatur nicht so der Moment für ein Eis ist, ist noch das kleinste aller Übel, die ich hier aufzählen könnte. Na klar, es könnte natürlich eine ganz grosse Ausnahme gewesen sein, das Mädchen hat heute vielleicht Geburstag und sich zu diesem besonderen Ereignis etwas ganz Besonderes gewünscht. Die Chance, dass die Mutter aber kreuzdumm ist und ihrem Kind ein Magnum Eis zum Frühstück vorsetzt, ist allerdings deutlich grösser. Und ich kann hier leider nicht anders, als von ungemeiner Dummheit zu sprechen. Wer denkt, dass es komplett falsch ernährte Kinder nur im Skript von Soaps wie „Frauentausch“ oder „Die Supernanny“ gibt, wird in solchen Momenten eines Besseren belehrt. Nein, es gibt sie auch in der realen Welt: Eltern, die ihre Kinder mit Zucker mästen und sich gleichzeitig wundern, dass die Knöpfe kein Gemüse mögen. Meine Nachbarin, die Mutter, ist zwar gertenschlank und möglicherweise mit Superfigur-Genen gesegnet – die Chance, dass ihre Tochter ebensolches Glück hat, ist aber nicht annähernd so gross, wie diejenige, dass die Kleine noch vor dem Kindergartenalter zum kugelrunden Klopps herangewachsen sein wird.

Nicht noch ein veganer, glutenfreier Fitness-Blog, bitte!
Ich habe mich in diesem Jahr oft gefragt, ob ich überhaupt nochmals übers Abnehmen schreiben und von meinen Erlebnissen berichten soll. Wer sich auf den verschiedenen Social Media Kanälen bewegt, sieht sich vom grassierenden Gesundheitswahn zugespamt. Der/die Hinterletzte hat unterdessen gesunde Ernährung für sich entdeckt und redet sich neumodische Unverträglichkeiten ein (schon klar: ein paar wenige von ihnen leiden tatsächlich unter Intolleranzen) und isst kaum mehr etwas von alldem, was wir im letzten Jahrtausend noch ganz selbstverständlich auf unseren Tellern hatten (waren wir alle damals nicht viel gesünder?). Kaum jemand, der nicht seinen veganen Salatteller auf Facebook und Instagram postet, danach die Nike-Joggingrunde und Schweissbilder aus dem Fitnessyogaclub. Ächz. DIE jetzt auch noch! Und jetzt ist auch DER noch bekehrt. Würg. Und jetzt kommt noch der Stiefel mit seiner Saftkur-Story. Solange ich solche Erlebnisse habe wie heute im Treppenhaus, werde ich mich allerdings zum Thema verlauten lassen. Und ich werde mich auch einmal dem Thema „Dünn ist (auch) doof“ widmen. Darüber hatte ich heute ein interessantes Gespräch mit Martina. Und ich werde mich nun endlich sportlich betätigen. Dazu war ich bisher einfach noch immer zu faul. Und das Wetter zu schlecht. Und, und, und…

Was bisher geschah:
Dick ist doof (Teil 1) – Dick ist doof (Teil 2) – Dick ist doof (Teil 3) – Dick ist doof (Teil 4) – Dick ist doof (Teil 5) – Dick ist doof (Teil 6)

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Pete Stiefel

Autor: Pete Stiefel

Pete konnte pfeifen, bevor er der gesprochenen Sprache mächtig war – und an seinem ersten Schultag bereits schreiben. Trotzdem ist er da noch einige Jahre hingegangen. Danach schrieb und fotografierte er fürs Forecast Magazin, für Zürichs erstes Partyfoto-Portal stiefel.li, fürs 20 Minuten, MUSIQ, Q-Times, Party News, WORD Magazine, war Chefredaktor vom Heftli, lancierte das Usgang.ch Onlinemagazin – und er textete für Kilchspergers und von Rohrs Late Night Show Black’N’Blond und Giaccobo/Müller. Er trägt (vermutlich) keine Schuld daran, dass es die meisten dieser Formate mittlerweile nicht mehr gibt.

Irgendwann dazwischen gründete er in einer freien Minute seine eigene Kommunikationsagentur reihe13, die seit nunmehr 13 Jahren besteht. Er ist mittlerweile in seiner zweiten Lebenshälfte, Mitinhaber vom Interior Design Laden Harrison Spirit, schreibt für seinen Blog Living Room Hero und Pointen für Giacobbo / Müller und jetzt auf dem Planeten Kult gelandet. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für Pete.

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