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Dick ist doof

Ich habe heute auf den Tag genau einen Monat lang nichts gegessen. Wie es dazu kam, erzähle ich in der nachfolgenden Geschichte.

Big is beautiful?
Von wegen ‚Big is beautiful‘ – dick ist doof! Und ich darf das ungestraft sagen, genau so wie ein Jude Judenwitze machen darf, oder etwa ein Dunkelhäutiger N-Witze. Und zwar, weil ich selber etliche Kilos zu viel auf die Waage bringe, worauf ich alles andere als stolz bin. Aber über die Jahre ist da einfach etliches zusammengekommen. Mangels Bewegung, und weil ich ein Genussmensch bin, der lieber Ja sagt als Nein. Sich einzureden, mit üppiger Körperfülle glücklich zu sein, ist Quatsch. Es gibt lediglich die Möglichkeit, sich mit der Situation abzufinden und sich einfach ganz okay zu finden. Und sich dabei einzureden, es sei alles in Ordnung, und man könnte ohnehin nichts ändern. Es gibt Menschen mit Stoffwechselproblemen, die es ihnen verunmöglichen, ihr Wunschgewicht zu erlangen, aber sie bilden die grosse Ausnahme unter den Übergewichtigen. Und ich spreche hier beileibe nicht vom sogenannten Idealgewicht. Dieses ist nämlich ein mindestens genau so grosser Stumpfsinn, es bezieht sich auf Körpergrösse, Alter und Geschlecht und lässt dabei zahlreiche Komponenten ausser Acht. Beispielsweise, was die betroffene Person arbeitet, wie es um ihre genetische Beschaffenheit steht, wo sie lebt, et cetera. Es ist auch nicht so, dass der Mensch schlank sein muss, um Glück zu finden. Und ich propagiere ebenso wenig den Magerwahn. Unbestreitbare Tatsache ist aber: Mit weniger Pfunden auf den Rippen fühlt man sich wohler, als wenn man das Gefühl hat, demnächst zu platzen. Oder es Hemd und Hose vielleicht bereits getan haben.

Nicht dick sein, heisst nicht, glücklich zu sein. Aber…
Und ich muss nochmals etwas ausholen, damit die Chance minimiert wird, mich misszuverstehen. Ich liebe weibliche Rundungen und kann mit sich abzeichnenden Skeletten nichts anfangen. Mit Genugtuung habe ich kürzlich von einer Umfrage erfahren, die besagt, dass auch Frauen eher auf Männerbäuchlein stehen, als auf Waschbrettbäuche. Natürlich kann das allerlei Gründe haben – aber man glaubt bekanntlich Studien viel lieber, wenn man sich selber in der Mehrheit weiss, und man dabei positiv abschneidet. Trotzdem: Mit wohlgeformtem und -proportioniertem Körper bewegt es sich leichter, man schadet den Gelenken deutlich weniger, und es macht viel mehr Freude, sich zu bewegen. Was nicht per se heisst, dass man damit auch glücklich ist. Zum vollumfänglichen Glücksgefühl gehören zahlreiche weitere Komponenten – aber sich in seiner Haut möglichst wohl zu fühlen, und zwar RICHTIG wohl, ist mit Sicherheit eine begünstigende Ausgangslage. ‚Miss Molly‘ Wahlen sind, gelinde gesagt, grober Unfug. Und man erweist niemandem einen Dienst, weil man ihn seiner überdimensionierten Proportionen wegen begehrt. Hört viel lieber damit auf, Witze über Dicke zu machen, und unterstützt sie auf dem Weg zu echtem Wohlbefinden. Dies wird nicht erreicht, indem Kleider in immer grösseren Grössen produziert werden, sondern indem gesunder Lebenswandel vorgelebt und begünstigt wird. Das beginnt bereits im Elternhaus, sollte da aber nicht aufhören: Stellt euren Kindern Gesundes auf den Küchentisch und lasst euch nicht abwimmeln, wenn sie es beim ersten, zweiten und dritten Mal verweigern.

Mein Geburtstagswunsch
Mein Wunsch an mich selber war es, als 40-Jähriger irgendwo wieder in die Nähe meines Normalgewichtes zu gelangen. Die Felle schwimmen einem da langsam aber sicher davon, wenn der 41. Geburtstag immer näher kommt. Was bei mir der Fall ist, denn ich bin ein Frühlingskind. Na gut, dachte ich mir, mit Wünschen verhält es sich halt meist so, wie mit Neujahresvorsätzen: Sie werden sang- und klanglos begraben. Schliesslich ist der Grund, dass man niemandem davon erzählen soll nicht der, dass das Glück bringt, sondern dass es hinterher niemand mitkriegt, wenn der Wunsch nicht erfüllt, rsp. der Vorsatz nicht in Tat umgesetzt wird. Ich hatte mich im Verlaufe des Jahres jetzt zugegebenermassen auch nicht wahnsinnig angestrengt, weniger Kalorien zu mir zu nehmen, weil Kalorieren halt einfach verdammt gut schmecken. Und weil ich mich auch nicht so oft und regelmässig bewegt habe wie vorgenommen. Und dass ich bei verhältnismässig vernünftiger Ernährung, ich schlage selten so richtig über die Stränge, esse nicht übermässig viel Süsses, zunehme: Habe ich zu wenig Bewegung, schlägt sich das positiv in meiner Gewichtsbilanz nieder. Sollte ich mich ganz einfach geschlagen geben?

Fortsetzung: Lesen Sie im zweiten Teil, wie ich ganz unerwartet Inspiration fand.

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Autor: Pete Stiefel

Pete konnte pfeifen, bevor er der gesprochenen Sprache mächtig war – und an seinem ersten Schultag bereits schreiben. Trotzdem ist er da noch einige Jahre hingegangen. Danach schrieb und fotografierte er fürs Forecast Magazin, für Zürichs erstes Partyfoto-Portal stiefel.li, fürs 20 Minuten, MUSIQ, Q-Times, Party News, WORD Magazine, war Chefredaktor vom Heftli, lancierte das Usgang.ch Onlinemagazin – und er textete für Kilchspergers und von Rohrs Late Night Show Black’N’Blond und Giaccobo/Müller. Er trägt (vermutlich) keine Schuld daran, dass es die meisten dieser Formate mittlerweile nicht mehr gibt.

Irgendwann dazwischen gründete er in einer freien Minute seine eigene Kommunikationsagentur reihe13, die seit nunmehr 13 Jahren besteht. Er ist mittlerweile in seiner zweiten Lebenshälfte, Mitinhaber vom Interior Design Laden Harrison Spirit, schreibt für seinen Blog Living Room Hero und Pointen für Giacobbo / Müller und jetzt auf dem Planeten Kult gelandet. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für Pete.

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Schatz, setz dich erstmal hin: Die absolut unerwartetste weil komplett hinterfotzige Top5 der besten Parkbanken im Netz um darauf Schluss zu machen