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Bisch au en Superschwiizer?

Ich versuche oft sehr tolerant durchs Leben zu gehen. Eigentlich immer. Gelingt leider nur bedingt. Schaue ich hin und wieder ins Facebook begegne ich immer wieder einigen Superschwiizern. Superschwiizer? Was isch das?

Nun, Superschwiizer sind für mich die totale Verkörperung einer endemisch entwickelten Bevölkerungsgruppe dieses Landes. Sie kennen nur die Schweiz, nur die Schweiz ist gut, Ausland ist Scheisse. Ferien irgendwo anders auf der Welt? Gohts no? Lieber im Wohnwagen am Chrüsimüsisee liegen. In der Regel bekommt man dann Begründungen wie „s isch eifach viel günschtiger“ oder „ich tue mis Gäld nöd is Usland bringe“ zu hören. Noch besser, wenn dann deine eigenen Ferien von den Superschwiizern ins Kreuzfeuer genommen werden. „Was chasch in Amerika scho ha was de i dr Schwiz nid hesch?“ Alles, du Vollpfosten, alles! Die Schweiz, so lessig wir sie doch alle finden, ist ein sehr begrenzter Raum. Man kann sie in wenigen Stunden durchfahren. Basel, Züri, Genf, Bern und Luzern, hat man diese Städte gesehen, hat man’s effektiv gesehen.

Aber Superschwiizer sind nicht nur Heimferienexperten. Sie unterstützen auch jeden Seich unseres Landes ohne Rücksicht auf Verluste. Spielt Hansi Dinkelmeier am Eurovision Songcontest, wird im Facebook jeden Artikel über Hansis Kindheit und jeden Youtube-Clip gepostet. Verpackt in eine Globi-Decke wird dann mitgefiebert und dementsprechend auch die Abstimmung telefonisch bestritten. „Dr Hansi muss doch eifach günnä.“

Der Superschwiizer hört praktisch nur Schweizer Musik, ist Fan von Gotthard, findet D.J. Bobo en huereglatte Siech („dä hät Erfolg gha uf dr ganze Wält“) und Bligg-Konzerte sind für ihn das Grösste. Beatrice Egli ist übrigens des Superschwiizers ganzer Stolz, denn der Superschwiizer hört gerne simpel gestrickte Schlagermusik, die das Denkzentrum nicht zu sehr überlastet. Und zudem „Da häts mal eini dä Schwobä zeigt“.

Am Samstag abend fiebert er leidenschaftlich mit bei „The Voice of Switzerland“, kommentiert auf Twitter die ganze Sendung, hat natürlich seinen Lieblingskandidaten und postet ihm regelmässig auf seine Facebook-Wall. Allgemein sind SRF1 und SRF2 seine Hauptsender. Er bekommt ein schlechtes Gewissen, würde er mal einen Fussballmatch auf einem anderen Sender schauen. „Üseri Moderatore sin viel luschtiger als d Ööööschtriicher“ oder „D Schwobe sin eh huerearrogant, dene chani nöd 90 Minute zuelose“. Die Tagesschau um 19:30 ist Pflicht und das Meteo danach sowieso. Nicht, dass man das Wetter nicht etwa auch im Internet nachschauen könnte, nein. Schweizer TV-Abendunterhaltung ist eh das obergeilste, findet ämel Mr. und Mrs. Superschwiizer. „Happy Days, das berüehrt mich immer total. Die im Usland hän so e uuulessigi Sändig nöd“ und ja, Kurt Aeschbacher ist eh der beste Moderator ever ever ever.

Während der Skisaison muss er an den Wochenenden jeweils früh aufstehen, denn er muss ja die nächste Skirennen-Verlochete luege, damit er seine Pflicht als Superschwiizer auch wirklich erledigt hat. Lara Gut ist übrigens des Superschwiizers Traumfrau. „D Art wie sie Rrragusa seit, die haut mich eifach um“. An Olympiaden ist der Supidupi-Schwizer sowieso Feuer und Flamme. Hat zwar keine Ahnung von Curling, aber kann dann ganz gross Mitreden, wenn Carmen Schäfer mit ihrem Zungenpiercing spielt.

An Spielen der Schweizer Fussballnati ist der Superschwiizer in extremer Überzahl anzutreffen. In der Regel daran zu erkennen dass er mit einer Kuhglocke bimmelt, Schweizerkreuze auf seine Backen malen lies und von Taktik absolut keine Ahnung hat. „Mir händ gnueg Stürmer, dr Schär macht ja viel Gool“

Am Eidgenössischen Schwingfest ist der Superschwiizer auch oft zu sehen. „Sonä Alass isch viel lässiger als sonä blödi Fuessball WM“ und bei Abstimmungen wird oft der rechten Meinung entsprochen. „Mir müend üseri Wärt erhalte, ich will nöd, dass es am Schluss nur no Usländer uf em Campi hät!“

Einkaufen im Ausland ist für den Superschwizer ein Kapitalverbrechen. „I due mis Geld sicher nöd is Usland stecke“ ist auch hier wieder seine Behauptung. „Die eigeni Wirtschaft muess gstärkt wärde“.

Und das traurige am Superschwiizer ist, dass er nicht aussterben wird. Der Superschwiizer paart sich gerne und oft fort und seine Abkömmlinge werden genau so superschwiizerig aufgezogen wie er, mit Ferien auf dem Campi, mit „Let me find my piece of heaven“ in der Soundanlage, mit uhuerelustigen Filmen wie „Achtung, Fertig, WK“, mit Skirennen, Schweizer Fahnen und all dem anderen Bünzlischeiss den unser Land bietet.

Superschwiizer würden jetzt behaupten, dass dieser Text auf 95% unserer Landesbevölkerung zutrifft. Bist du auch ein Superschwiizer oder schaust du noch über den Tellerrand hinaus? Und vorallem, lebst du dein Superschwiizertum so dermassen extrem in der Öffentlichkeit aus, dass es mich einfach in den Fingern juckt darüber ein paar Zeilen schreiben zu wollen?

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Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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