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Serientipp – Star Trek: Deep Space Nine

Der schräge Cousin, der an Familienfesten immer ganz aussen sitzt, mit dem keiner spricht, der einfach anders tickt…

Inhalt:
Commander Benjamin Sisko (Avery Brooks) übernimmt das Kommando über Deep Space Nine, eine veraltete Raumstation im Orbit Bajors, einer religiösen Welt, welche sich gerade von der Besetzung durch die Cardassianer erholt. Siskos Auftrag: Den Bajoranern beim Wiederaufbau ihrer Welt zu helfen und diese in die Föderation einzugliedern. Die Entdeckung eines stabilen Wurmlochs im Bajoranischen Sternensystem macht die Sache für den neuen Kommandanten nicht einfacher, führt dieses Gebilde doch in den Gamma Quadranten, eine weit entfernte und unbekannte Ecke unserer Galaxie.

«Star Trek: Deep Space Nine» (kurz DS9) war und ist die untypischste aller Trek-Serien. Hier gibt es kein Raumschiff Enterprise, keine neuen Zivilisationen zu entdecken (zumindest ist dies nicht der Auftrag Siskos) und die Stories spielten sich auch nicht auf einem Föderationsflaggschiff oder sonst einer wichtigen Location ab. DS9 ist eine Station «am Allerwertesten der Galaxis», Bajor eine zu Beginn total unbedeutende Welt und die Crew besteht nicht aus piekfeinen Rikers und Picards, sondern aus eher bodenständigen Arbeitern wie O’Brien, aus einem jungen Arzt wie Bashir, der frisch sein Medizinstudium beendet hat, aus Dax, einer jungen Frau mit einem 300 Jahre alten wurmähnlichen Wesen im Bauch, welches in Symbiose mit seinem Wirt lebt. Auch Commander Sisko ist kein typischer Star Trek-Kommandant, da er zum einen auch nicht Captain ist, sondern nur ein kleiner Commander, kein Über-Captain wie Kirk, kein Diplomat wie Picard. Sisko, gequält durch den Tod seiner Frau, ist ein aufbrausender Charakter, der sich zudem um seinen Sohn sorgt, ihn nicht in diesem unwirtlichen und kalten Gebilde grossziehen will. Vervollständigt wird die Crew durch Kira, einer Bajoranerin, die als XO für Sisko fungieren soll und durch Odo, Sicherheitschef und Formwandler zu gleich. War bei den vorherigen Serien spätestens hier Schluss mit dem Maincast, gibts hier jedoch auch noch unzählige weitere Charaktere, welche keine Crew-Funktion besitzen, sondern einfache Zivilisten sind, wie zum Beispiel die Ferengi, eine geldgeile Rasse, die stets den eigenen Vorteil über alles stellt, die Vedeks und Kais von Bajor, der cardassianische Schneider (und Ex-Spion) Garak, etc. Ein wahrlich bunt gemischter Haufen.

DS9 hatte zu Beginn so seine Probleme. Die Serie wusste nicht, wo sie hin sollte. Der Pilotfilm («Der Abgesandte») gilt auch heute noch als schwierig und nicht unbedingt als wahnsinnig actionreich. Das religiöse Thema der Bajoranischen Götter prägte die Geschichte total und wer hier einfache SciFi erwartet, kann sich gut und gerne gelangweilt oder bereits überfordert fühlen. Die erste Season genoss den Auftritt einiger bereits bekannter Charaktere. Jean-Luc Picard gab den symbolischen Startschuss für die Serie. Die klingonischen Schwestern Lursa und B’etor oder auch Lwaxana Troi besuchten die Station. Die Absicht der Macher war klar – die Zuschauer der «The Next Generation» dank dieser Gastauftritte zu DS9 zu locken.

Im Grossen und Ganzen ist die erste Season von DS9 eine der schwächsten Star Trek-Staffeln überhaupt. Teilweise war es sogar äusserst peinlich mitanzusehen, was das Team um Rick Berman und Ira Steven Behr hier produzierte. Das Rumpelstilzchen gehört in ein Kinderbuch und nicht in eine erwachsene SciFi-Serie. Andererseits fällt eine der wohl besten Star Trek-Folgen überhaupt in diese Season. Die Folge «Der undurchschaubare Marritza» ist Aufarbeitung des Holocausts in Science Fiction-Form und lässt den Zuschauer wirklich mit offenem Mund zurück. Aber das wars auch schon mit den Highlights. Eines ist wohl klar. Im jetzigen TV-Zeitalter hätte DS9 wohl spätestens nach Season 1 sein trauriges Ende gefunden.

Die zweite Season hatte schon mehr Drive. Mit einem knackigen Dreiteiler (unter anderem eine Art Die Hard-Ripoff darunter) startete DS9 in das zweite Jahr. Die Stories wurden interessanter und actionreicher, die Charaktere bekamen mehr Konturen und die Macher wussten langsam, in welche Richtung die Serie sich hin entwickeln soll. Das Dominion, ein unheimlich mächtiger Gegner aus dem Gamma Quadranten wurde sorgfältig eingeführt. Ebenso der Maquis, eine Truppe menschlicher Freiheitskämpfer – oder Terroristen – je nach Sicht der Dinge, wurde ebenso implementiert. Das Finale dieser Season ist grossartig und liess die Zuschauer zappelnd auf dem Sessel zurück.

Anschliessend wurde die Lage für DS9 ein wenig heikel. «Star Trek: The Next Generation» war zu Ende und die Serie um Picard und seine Crew machte den Sprung auf die Kinoleinwand. Leider konnte DS9 sein alleiniges Dasein auf dem TV-Screen nicht geniessen, denn «Star Trek: Voyager» stand bereits in den Startlöchern und bot dem Zuschauer die wiederrum einfachere Form von Star Trek. Die Produzenten jedoch realisierten, dass die fehlende Möglichkeit der Bewegung der Serie sehr zu schaffen machte. Zwar waren die Protagonisten stets in kleinen Shuttles, sogenannten Runabouts, unterwegs, aber Produzent Ira Steven Behr wusste, dass ein richtiges Schiff benötigt wurde um die Zuschauer weiter zufrieden zu stellen und auch um der Dominion-Story gerecht zu werden.

Die U.S.S. Defiant wurde kreiert, ein kleines Schlachtschiff, welches optisch an einen rassigen Sportwagen erinnert. Dieses Schiff ermöglichte Sisko endlich auch mal Stärke zu zeigen, was dem Zuschauer auch eher das Gefühl gab, dass die Crew das Geschehen rund um Bajor und die Station ein wenig im Griff hat.

Mit Season 3 konnte DS9 die Steigerungskurve weiter anheben. Und dies nicht nur wegen der Defiant. Mit Jonathan Frakes wurde der wohl prominenteste Gaststar seit Pilotfolge auf der DS9 begrüsst («Defiant») und die Serie wurde noch komplexer, da jetzt auch bekannte Rassen des Trek-Universums langsam in den Konflikt mit dem Dominion hereingezogen wurden und die unberechenbare Bedrohung kam näher und näher.

Die vierte Staffel ist eine der hochwertigsten Trek-Staffeln überhaupt. Mit Michael Dorn und seinem Charakter Worf konnte DS9 den wohl hochkarätigsten Neuzugang verzeichnen. Worf brachte neuen Schwung in die Mannschaft, brauchte aber seine Episoden, um zu wissen, was seine Position innerhalb der Crew genau darstellt.

Mit einem Paukenschlag in Form einer Doppelfolge («Der Weg des Kriegers») startete Season 4 und stellte die Trek-Welt komplett auf den Kopf. Es roch nach Krieg. Julian Bashir spielte in der Holosuite James Bond («Unser Mann Bashir», grandiose Episode) Die beste Folge der Staffel ist jedoch eine leise. «Der Besuch» zeigt dem Zuschauer eine mögliche Version der Zukunft des Jungen Jake Sisko und geht echt ans Herz.

1996 feierte Star Trek seinen dreissigsten Geburtstag und mit einer Jubiläumsfolge wurde dies zelebriert. In «Immer die Last mit den Tribbles» wurde das Setting einer alten Classic-Episode genommen und mit «Forrest Gump-FX» perfekt in eine neue Ds9-Episode verpackt. Der Teenager Jake Sisko lernt die Grausamkeiten des Krieges kennen («Die Schlacht um Ajilon Prime»), die Föderation wurde infiltriert und der Krieg mit dem Dominion geht erst richtig los. Die Season endete mit einem weiteren Fausthieb in des Zuschauers Magen («Zu den Waffen») und Season 6 wurde erst richtig lanciert.

Ganz im Zeichen des Krieges und der Verzweiflung stecken die ersten sechs Episoden dieser Staffel. Der Kriegsverlauf nahm eine kleine Wende, aber die Lage wurde für unsere Helden trotzdem immer prekärer, was darin endete, dass Sisko selbst einige unpopuläre Massnahmen ergreifen musste, um den Krieg wieder in andere Bahnen zu lenken (grandios – «In fahlem Mondlicht»). Mit Vic Fontaine wurde ein Charakter in Form eines Hologrammes geschaffen, der der Crew vorallem psychisch sehr unter die Arme griff («Auf seine Art»). Gespielt vom Schauspieler und Sänger James Darren wurde Vic zu einer äusserst beliebten Figur in Form eines Swing-Sängers der 60er Jahre. Schlussendlich endete diese Season sehr traurig und wir mussten von einem sehr beliebten Charakter Abschied nehmen («Tränen der Propheten»).

«And now, the end is near». Staffel 7 bot dem Zuschauer einfach alles. Ein neuer (und zugleich alter) Charakter kam auf die Station («Das Gesicht im Sand»), es wurde Baseball gespielt («Wettkampf in der Holosuite») und die Fronten zwischen Gut und Böse wurden entgültig geklärt. Und was DS9 nun endgültig zum Erwachsenen-Trek machte, war das Geschehen rund um den jungen Sternenflottenoffizier Nog («Die Belagerung von AR-558», «Leben in der Holosuite»). Die Serie endete mit einem 90minütigen Finale, geprägt von grandioser Action, Tod und Bestimmung. Ein bittersüsser Abschied einer grandiosen Serie, der nur schwer in Worte zu fassen ist, ist doch irgendwie alles vorhanden, was der Fan dieser Serie zum Abschluss noch sehen wollte («Das, was du zurücklässt»)

Fazit: Dieses Review ist ein Aufschrei an alle, die Serien mit «Trek» im Titel sofort mit «Nerdism» oder kindischer Karton-SciFi gleichsetzen. «Deep Space Nine» ist ein Genuss, eine Serie, die alle Facetten des Lebens auf seine Weise verarbeitet. Ich vermisse noch immer diese Crew und deren Stories, die Freundschaftliche Bande zwischen O’Brien und Bashir («Jeeruuuusaaaleeeeem»), Siskos Umgang mit seiner Funktion als religiöse Figur, Kira und Odo, Jake und Nog oder auch die teils geniale Ferengi-Folgen. Schön, findet sie Serie zumindest in Buchform ihre Fortsetzung.

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Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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